Nicht mit mir!

 

In diesem Text beschreibe ich einen Weg, der aufzeigt, wie man mit Angst und Bedrohung konstruktiv umgehen kann. Angst und Bedrohung habe ich deshalb als Beispiel gewählt, weil Corona uns seit über einem Jahr fest in der Zange hält. Diese Situation führt zu extremem Stress in den Nervensystemen von uns Menschen, was im Grunde aber nichts weiter ist als festgehaltener Tatendrang. Muss der Tatendrang unterdrückt werden, führt das zuerst zu Wut, dann zu Hass, dann zu Angst und am Ende zur Selbstaufgabe in Depression und Selbstzerstörung. Ich möchte versuchen, eine Handreichung zu geben, die trotz der schwierigen Ausgangslage hilft, psychisch gesund zu bleiben.

 

Vorweg

Das Wichtigste ist, dass ich mich nicht mehr als unbedingt nötig am Außen orientiere. Wenn ich aber ständig am Medientropf hänge, weil ich die 7-Tages-Inzidenzen und die aktuellsten Zahlen der Corona-Dashboards auf keinen Fall verpassen möchte, verliere ich garantiert den gesunden Kontakt zu mir selbst. Und ja, dann bestimmen halt andere, was gesund ist und was nicht: Virologen, Epidemiologen, Infektiologen, Simulationsexperten und Prognoserechner, die Politik, die Intensivmedizin, die Naturwissenschaft, die Pharmaindustrie, die Medien u.s.w. Ich selbst bin dann - wie man so schön sagt - außen vor. 

 

Informationschaos, Irrationalismus und Realitätsverweigerung

Inzwischen registrieren wir alle im Zusammenhang mit Corona die teils unehrliche bis verblendete Informationskampagne der Regierung und der Medien, aber auch blanken Irrationalismus, Bösartigkeit und Realitätsverweigerung bei gewissen Teilen der Bevölkerung. Lockdowns, gefolgt von Lockdowns. Wen wundert's, dass wir zunehmend die Hoffnung auf ein Happy End verlieren. Das scheint weiter entfernt denn je, zumal die Intensivmediziner gerade jetzt wieder eindringlich vor neuen Mutanten und einer Überlastung des Gesundheitssystems warnen. Bei der indischen Virus-Variante B.1.617, die gerade aktuell ist, soll es sich um eine gefährliche Kombination der Mutationen aus Großbritannien und Südafrika handeln.

 

Bis Corona irgendwann einmal nur mehr als Hintergrundrauschen wahrnehmbar sein wird, wird es wohl noch etwas dauern. Unbestritten ist, viele Maßnahmen-Geplagte sind ausgelaugt, erschöpft, am Ende ihrer Kräfte. Inzwischen sind sie nicht nur isoliert und einsam, sie sind auch verzweifelt, weil die Folgen der Zwangsmaßnahmen zur existenziellen und sozialen Katastrophe mutiert sind. Corona wirkt wie ein Vergrößerungsglas, es zeigt die Ungerechtigkeiten und systemischen Diskriminierungen unseres Gesellschaftssystems ungeschminkt. Vor allem Kinder, Frauen, Pflegekräfte, Supermarktkassiererinnen und sozial schwächere Personengruppen zahlen die Zeche einer fehlgesteuerten Coronapolitik. 

 

Wir alle wollen endlich klare Perspektiven, einen ehrlichen und humanen Ausweg aus der Bedrohungslage. Einen vernünftigen Umgang mit dem Corona-Virus.

 

Illusionen verabschieden

Unsere natürliche Tendenz ist es, dass wir nicht aufhören, nach Lösungen zu suchen. Wir versuchen eine unerträgliche Situation so zu verändern, dass wir uns wieder wohl und sicher fühlen können. Die meisten Menschen wenden sich mit ihrem legitimen Bedürfnis nach einem guten Leben - einem Leben in Sicherheit, Würde und Freiheit - an die Politik und an den Staat. Zurecht. Interessanterweise verhalten sich mündige Staatsbürger dabei oft wie kleine Kinder. Blind vertrauen sie darauf, dass der Staat sie schützen und retten wird, und sie glauben, dass die Regierung ihnen wieder ihr normales Leben zurückgeben wird. Für diese Erwartungshaltung tun sie enorm viel. Sie nehmen massive Freiheitseinschränkungen in Kauf, sie erdulden Kontaktverbote, sie lassen sich in der eigenen Wohnung einsperren, sie tragen Masken und lassen sich testen, testen, testen. Alles, um danach wieder gut leben zu können. Riesengroß ist die Hoffnung, dass mit dem Impfen die Erlösung kommen wird. Denn das verspricht uns auch die Regierung. Eigentlich müsste uns das doch beruhigen. Warum tut es das dann nicht? Ganz einfach. Weil das Virus trotz - oder vielleicht sogar wegen - der Maßnahmen nicht einfach verschwinden wird. Es wird mutieren. Und mit ihm die Bedrohung. 

 

Was also jetzt?

Gäbe es Corona nicht, würde meine Angst verschwinden. Das Virus ist schuld an meinen Ängsten, an all den Schwierigkeiten, an den Zwangsmaßnahmen, die es in diesem Zusammenhang gibt. Also muss man das Coronavirus mit allen Mitteln bekämpfen. Wer das nicht mitträgt, verhält sich unsolidarisch, er gefährdet nicht nur sich selbst, sondern vor allem seine Mitmenschen - als Corona-Leugner, Covidiot, als Menschenfeind."  So denken viele Menschen.

 

Ich schlage vor, die Blickrichtung zu ändern, nach innen. Denn tatsächlich gibt es keine ursächliche Verbindung zwischen meiner Angst, meiner Verzweiflung und dem Virus. Der erste Schritt, den ich gehen kann - ist, eine weit verbreitete Drohbotschaft als falsch zu entlarven, weil es sich dabei bloß um eine Vorstellung handelt. Ein gedankliches Konstrukt, das nicht der Realität entspricht. Corona ist nicht schuld an meiner Angst. Corona triggert meine Angst nur, ist also lediglich der Auslöser für meine Art mich zu ängstigen, vor einer Bedrohungslage, die nicht enden will. Diese Erkenntnis bedeutet aber auch, ich muss mich von einer Illusion verabschieden. Meine Vorstellungen waren falsch. Darum höre ich damit auf, meine Ängste auf ein Virus zu projizieren. Das geht, indem ich eine Übertragung wieder zurücknehme. Anders gesagt, ich suche die Ursache meiner Schwierigkeiten nicht mehr im Außen. Ich suche die Ursache meiner Ängste nicht mehr im Virus-Geschehen. Ich beende meine Angst-Feind-Projektionen.

 

Bei sich sein und fühlen

Ich richte meine Aufmerksamkeit nur auf das aktuelle Gefühl in mir und auf meine Angst. Ich distanziere mich von allen Bildern und Gedanken, die mir eine Ursache im Außen vorgaukeln. Statt dessen fühle ich, was jetzt in mir ist und suche den Kontakt zu meinem Körper. Dabei versuche ich zu spüren, wo in meinem Körper dieses Gefühl lokalisiert ist. Dann löse ich mich davon wieder und suche einen Bereich der sich weit, offen und frei anfühlt. Das kann im Kopfbereich sein, es kann im Herzbereich sein, ganz egal wo. Es geht um den Ort, der sich am besten anfühlt, wo wir die meiste Energie und Lebendigkeit haben. Jeder von uns hat einen solchen Bereich. Darauf richte ich nun meine volle Aufmerksamkeit. Ich erfahre bei diesem Vorgang einen angenehmen Zustand, das Leiden tritt in den Hintergrund. Ich werde nicht mehr von der Angst beherrscht.

 

Ich bin nun mit beiden Bereichen vertraut, dem emotionalen Leiden und einem weiten und eher leidfreien Zustand. Jetzt geht es darum, sich vorsichtig mit beiden Bereichen zu verbinden, d.h., ich richte die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf das negative Gefühl und den Bereich, der sich weit an fühlt. Ich erfahre beide Qualitäten gleichzeitig. Es geht nun darum, auf dieser Brücke zu balancieren und tatsächlich nichts zu machen. Sobald die Brücke sicher steht, beginnen sich die negativen Emotionen relativ schnell zu verflüchtigen. Man braucht nur zu warten. Da negative Gefühle letztlich aus aufgestauter Energie bestehen, wird diese Energie dadurch frei und man erfährt Erleichterung, Heiterkeit und Freiheit. Eigentlich ist es recht einfach, nur etwas Übung braucht es, um in den inneren Räumen zu navigieren. Dazu ist kein Guru, kein Heiler, kein Therapeut, keine Medikamente, ja nicht mal eine heilsame Umgebung wie die Natur notwendig.

 

Meine Erkenntnis

ICH bin genug. Alles, was ich brauche, um Leiden zu überwinden, um psychisch und physisch gesund zu werden und zu bleiben, ist in mir. Ich kann zwischen geschürten Ängsten und Realängsten unterscheiden. Auch mein klarer Verstand arbeitet jetzt hervorragend. Ich bin nicht mehr angstgetrieben und sehe die Corona-Krise mit anderen Augen. Ich kann erkennen, was richtig ist und was nicht, mit den Augen eines erwachsenen und selbstbestimmten Menschen, der bindungs- und liebesfähig ist. Ich suche den Kontakt mit Menschen, die ebenso fühlen und denken wie ich.