Wenn viele gleich denken

 

Dieser Text ist eine Zusammenfassung (Teil A) der wesentlichen Aussagen von Mattias Desmets 'theory of mass formation'. Der Inhalt wurde von mir ins Deutsche übersetzt und im Teil B) um eigene Anmerkungen ergänzt. (Mattias DesmetDer Autor ist Professor für klinische Psychologie in Gent (Belgien) und erklärt in diesem Video, wie man kollektive Angst fabriziert. | COMMENTARY #48) 

 

 

 

A) Dramaturgie der Massenbildung

"Mass formation" - zu deutsch Massenbildung - ist eine spezifische Art der Gruppenbildung, bei der das kritische Denken ausgeschaltet wird. Individuelles Denken wird ersetzt durch Gruppendenken. Alle denken gleich, es gibt keine kritische Distanz. Dies gilt sowohl für hoch intelligente als auch für weniger intelligente Menschen. Ein Beispiel sind die totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts wie die Sowjetunion oder Nazideutschland.

 

Dass Massenbildung entstehen kann braucht es 4 Bedingungen:

 

1.  Ein verbreitetes Gefühl der Einsamkeit, der sozialen Isoliertheit. Man ist „sozial atomisiert“ (vgl. Hannah Arendt). In einer Untersuchung gaben mehr als 50% der Befragten an, keine einzige reale Beziehung zu einer Person zu haben. Eine Verbindung zu anderen Menschen hatten sie nur über das Internet.

 

2.  Weil wir soziale Wesen sind bewirkt das Fehlen von sozialen Bindungen ein Gefühl der Sinnlosigkeit. In einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2016 gaben nur 13% der Befragten an, dass sie Ihre Arbeit als sinnvoll erlebten, während 60% absolut keinen Sinn in ihrer Arbeit sahen. Die Hauptursache dafür scheint wohl unsere mechanistische und materialistische Sichtweise zu sein, die das Universum und den Menschen auf eine Maschine reduziert. Welchen Sinn hat eine biologische Maschine?

 

3.  Angst. „Free floating anxiety“. Es geht um diese Angst, nicht Furcht. Ein konkretes Objekt der Angst fehlt hier (diffuse Zukunftsängste, Umweltkrise, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, getriggerte frühkindliche Ängste). Um diese "free floating anxiety" in den Griff zu bekommen, sucht man nach einem Objekt und einer Strategie, um sie zu bekämpfen und zu beherrschen. Man ist frustriert und aggressiv und versucht etwas zu finden, auf das man seine Frustrationen und Aggressionen richten kann. Weil die wahren Ursachen diffuser Ängste nicht so leicht behoben werden können, kommt was Neues ins Spiel. Ein Ersatzobjekt. 

 

4.  Wenn von den Massenmedien und der Politik so ein Ersatzobjekt angeboten und propagiert wird, sowie eine entsprechende Bekämpfungsstrategie, werden alle Ängste mit diesem Objekt verbunden. Die Zustimmung zur vorgeschlagenen Strategie und zu verordneten Maßnahmen befreit von der Angst.

 

Die "neue Solidarität"

Wenn sehr viele Menschen den „Maßnahmen“ zustimmen, und viele denken ja, die Maßnahmen können gar nicht falsch sein, wenn so viele Menschen weltweit mitmachen … dann entsteht nichts Geringeres als eine neue soziale Verbundenheit. In den vergangenen zwei Jahren, 2020 und 2021, während der sogenannten  „Coronazeit“ ist eine „neue Solidarität“ entstanden „a new citizenship“. Aus dem gestillten Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit erschließt sich die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen. Man glaubt dann auch dem Narrativ und glaubt ihm auch weiter, selbst wenn es sich als absurd herausstellt. 

 

Diese Dramaturgie der Massenbildung in vier Schritten dient als Blaupause für alle totalitäen Gesellschaftssysteme, die wir kennen. Es müssen, so der Autor, alle vier Bedingungen erfüllt sein, damit Massenbildung - in Gestalt einer totalitär wirkenden Ideologie – auch funktioniert. Alle vier Bedingungen waren lt. Desmet vor Beginn der Coronakrise erfüllt. 

 

Desmets Theorie verstehe ich als Angebot, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen kritisch auseinanderzusetzen und das eigene Denken zu schärfen. 

 

 B) Anwendung auf die Coronakrise

Das Bedürfnis dazu zu gehören 

Jeder Mensch hat das Bedürfnis wo dazuzugehören und auch das Bestreben, für die Gemeinschaft nützlich zu sein, ein wertvolles Mitglied derselben zu sein. Man kann auch "Solidarität" dazu sagen. Dieses menschliche Grundbedürfns ist auch tiefere Grund dafür, warum der Begriff der „Solidarität“ so moralisch aufgeladen ist. "Solidarität" wurde mit dem Corona-Narrativ fest verknüpft. Darum ist der 4. Punkt – nämlich die Identifikation mit dem Ersatzobjekt, mit dem Virus und mit der Bekämpfungsstrategie, mit den angebotenen Maßnahmen ausschlaggebend dafür, dass die Massenbildung überhaupt funktioniert. Ohne ein Ersatzobjekt würde das nicht gelingen, würde die Massenbildung nicht zustande kommen, selbst wenn die ersten drei Bedingungen erfüllt sind. Ausschlaggebend ist der Übertragungsprozess, erst er führt zur Massenbildung und in der Folge zu einer neuen Form von Solidarität. "Neue Solidarität" bedeutet - da gehöre ich dazu. Auf einmal gibt es dieses gemeinsame Ziel, das alle verbindet: Corona. Die Nachbarin, der Chef, die Verkäuferin im Supermarkt, sie alle haben Angst vor Corona. Sie alle wollen sich vor einem „Killervirus“ in Sicherheit bringen und sich und ihre Lieben schützen. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung. Mit den angebotenen Maßnahmen. 

 

Wie das eigenständige Denken ausgeschaltet wird

Im Zuge des Gruppenbildungsprozesses wird das kritische Denkvermögen ausgeschaltet und durch Gruppendenken ersetzt. Das Empfinden von Sinnhaftigkeit ist dabei ganz wesentlich. Sinn verbindet. Das gute Gefühl, das sich einstellt, wenn man etwas als wirklich sinnvoll erlebt, verbindet Menschen miteinander. Und es verbindet ganz unterschiedliche Menschentypen. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Personen intelligent, hoch gebildet, wohlhabend sind oder nicht, ob es sich um sogenannte "Intellektuelle"oder um "soziale Unterschichten" handelt. Aus der inhomogenen Gruppenidentität formiert sich eine homogene Masse, ein neuer Mainstream, der gleichgeschaltet denkt. Man passt sich an und leistet so einen Beitrag für den Zusammenhalt des Kollektivs. Überzeugt und ohne zu murren halten diese Menschen Abstand voneinander, tragen Gesichtsmasken, erdulden Lockdowns, lassen sich gegen Corona impfen. Sie bezeichnen sich selbst als "solidarisch" gegenüber der Gesellschaft. So zu denken, wie das Kollektiv denkt, empfinden sie als normal.

 

Kollektives Denken beseitigt die Angst

Die Angst ist weg. Das ist der Benefit. Deshalb wird gedacht und getan, was angeboten und verlangt wird. 

 

Warum es keine Verständigung mehr gibt

Menschen, die von der Richtigkeit der Corona-Maßnahmen überzeugt sind, denken anders. Und sie fühlen sich wohl und sicher mit der Art, wie sie denken. Wird eine Überzeugung so stark, dass sie eine spezifische Gruppenbildung auslöst, so Desmet, dann kommt der gesunde Menschenverstand nicht mehr zum Zuge, dann schwindet die Fähigkeit selbst zu denken und kritisch zu denken. Es gibt dann kein Verstehen und keine Verständigung mit Andersdenkenden mehr. Das Wahrnehmungsfeld ist extrem verengt, Mitgefühl gibt es nur mehr für Mitglieder der eigenen Gruppe. Der rein virologische Tunnelblick verunmöglicht ein ganzheitliches Erfassen der Lage. Es zählt nur mehr das, was das Kollektiv sehen kann, und was alle - die dazu gehören - denken. So können zB glühende Impfbefürworter überhaupt nicht verstehen, dass es Individuen gibt, die sich keine mRNA-Substanz verabreichen lassen wollen.

 

Was ich sehe, was ich spüre und wie ich denke:

 

Nicht alle machen mit 

Das Gegenüber, viele andere Menschen, machen da nicht mit. Sie setzen sich gegen Konformitätsdruck und gleichgeschaltete Denkmuster zur Wehr. Trotz des enormen Gruppendrucks sind sie nach wie vor fähig, eigenständig zu denken. Sie sind in der Lage, sich kritisch zu distanzieren. Denkverbote lehnen sie entschieden ab, weil Meinungsfreiheit, die dem eigenen Denken entspringt, ein hohes Gut für sie ist. Sie können bei sich sein und bei sich bleiben. Sie wollen offene und faire Debattenräume, verteidigen die Meinungsvielfalt. Und sie versuchen die Zwischentöne im mittlerweile überhand genommenen Schwarz-Weiß-Denken wieder zu beleben. Für ein offenes Miteinander, für Meinungsfreiheit, für eine freie Impfentscheidung, für echte demokratische Verhältnisse gehen sie auf die Straße. 

 

Es ist fast wie im Krieg

Diese unerschrockene Widerständigkeit empört die meisten Maßnahmenbefürworter. Viele Maßnahmenbefürworter verurteilen andere Menschen, wenn sie eine abweichende Meinung vertreten. Das finden sie unsozial und unsolidarisch. Das Dilemma zeigt sich besonders krass beim Impf-Thema. Wer sich nicht impfen lassen will, wird als "Maßnahmen-Feind" aus sozialen Bindungsgefügen ausgeschlossen und ausgegrenzt. Der Riss ist beunruhigend groß, er geht quer durch Familien, Freundschaftsbeziehungen, Arbeitsplätze, Vereine und umfasst den gesamten öffentlichen Raum. Eigenständig denkende Menschen gehören nicht mehr dazu. Es trifft vor allem diejenigen hart, die ohnehin nicht auf der Butterseite des Lebens gelandet sind, am schlimmsten aber die Kinder. Chaos, wo man hinsieht. Nichts ist mehr gut. Die gespaltene Corona-Gesellschaft ist in eine Täter-Opfer-Dynamik hineingeschlittert und dort gefangen. Sie ist im Traumamodus. Täter wie Opfer, beide Seiten werden von der Wucht unbewusster Kräfte gesteuert oder zumindest mitgesteuert. 

 

Die Rolle von Politik und Medien 

Dass nichts mehr gut ist, dafür sorgen einige NGO's, Politik und Medien tagtäglich. Es vergeht kein Tag ohne Corona-Propaganda, täglich grüßt das Murmeltier mit COVID-Schlagzeilen. Große Stiftungen und bestimmte NGO's können ungehindert ihre Agenda vorantreiben, denn sie unterliegen keiner demokratischen Kontrolle. Politiker sehr wohl. Sie müssen der Bevölkerung erklären können - und dafür brauchen sie die Medien - warum ihre Maßnahmen nicht greifen, warum das "böse Virus" immer noch nicht besiegt ist. Wenn sie das nicht können, werden sie entmachtet. Erfolglose Politiker müssen gehen, das ist in einer Demokratie so. Aber welcher Politiker will schon als Looser aus dem Amt gejagt werden? Damit das nicht geschieht, wird die Bevölkerung geschickt manipuliert. Es wird weiter Angst geschürt, mit Zahlen getrickst und ganz viel gelogen. Für das politische Versagen werden Schuldige gesucht. Man hat sie schnell gefunden. Alle, die ihren gesunden Menschenverstand nicht dem Corona-Narrativ geopfert haben, werden als Sündenböcke (Wissenschaftsfeinde, Corona-Leugner) für das Nichtfunktionieren der Maßnahmen an den Pranger gestellt. Um das Narrativ zu retten, werden widerständige Menschen ausgegrenzt und schikaniert.

 

Frei sein, selber denken 

Die falsche Überzeugung - Corona ist ein Killervirus - wurde x-fach wissenschaftlich widerlegt, trotzdem wird diese Überzeugung nicht aufgegeben. Immer noch glauben unzählige Menschen, dass Corona die Menschheit dahinraffen wird. Dem Narrativ wird weiterhin geglaubt, obwohl es sich als absurd herausgestellt hat. Durch den Gauben an das Corona-Narrativ werden unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und das gesamte Gesellschaftssystem schwer beschädigt. Wir stimmen der eigenen Entmündigung zu, wenn wir mit dem "betreuten Denken" nicht bald aufhören. 

 

Es liegt an uns. 

 

Es liegt an uns zu erkennen, dass wir von Grund auf frei sind. Dass wir einzigartig, besonders und unverwechselbar sind. Wir müssen niemanden um Erlaubnis fragen. Keine Regierung, keine WHO, kein EU Digital COVID Certificate, kein Grüner Pass kann uns unsere Freiheit nehmen, wenn wir nicht mitmachen. Wir sind frei. Weil wir Individuen sind.