Machbarkeitswahn auf österreichisch

 

Die Tyrannei der Mehrheit

Die überwiegende Mehrheit in der Bevölkerung sieht nur mehr eine Lösung, um aus dem Corona-Dilemma herauszukommen. Die Impfung. Sie befürwortet eine allgemeine Impfpflicht. Man glaubt diesbezüglich der Wissenschaft, die gemeinsam mit der Politik die Maßnahme verkündet: „Das Virusgeschehen kann nur mit der mRNA-Impfung eingedämmt werden“. Aber lässt sich ein Virus besiegen? Ist das machbar? Kann die Wissenschaft das? Diese Überzeugung gibt es. Jetzt mehr denn je, da die Zahlen wieder dramatisch in die Höhe schnellen. Eine 4. Welle soll gestoppt werden. Viele Menschen sind infiziert, Ungeimpfte und Geimpfte. Bei den geimpften Infizierten spricht man nicht von angesteckten Erkrankten sondern von Impfdurchbrüchen. 

 

Die Nerven liegen blank. Österreichs Regierung hat vor 6 Tagen einen Lockdown für Ungeimpfte verhängt, um diese Menschen zu bestrafen und den Impfdruck zu erhöhen. Heute verkündet sie einen Lockdown für alle, für Ungeimpfte und Geimpfte. Bundeskanzler Schallenberg entschuldigt sich deswegen bei den Geimpften. Als erstes Land auf dem Kontinent will Österreich ein Impfpflicht für alle ab Februar einführen.

 

Die Bedürfnisse des Individuums zählen nicht mehr

Seit über eineinhalb Jahren erklären uns Politik, Medien und Wissenschaft, dass unser Leben erst dann wieder in Ordnung sein wird, wenn wir die Corona-Maßnahmen strikt einhalten. Die vorhandene Not könne nur mit den Maßnahmen gewendet werden. Der Mensch muss sich von seinen Mitmenschen absondern. Abstand halten. Am besten von allen. Alle müssen an einem Strang ziehen, aber nicht zusammen, sondern jeder für sich. Kontakte müssen unbedingt vermieden werden. 2020, im Jahr der Pandemie-Ausrufung wurden viele Menschen in einer großen Notlage allein gelassen. Kinder und Eltern wurden allein gelassen vor einem Bildschirm, beim Lernen im Homeschooling, schwerkranke Menschen sind einsam im Pflegeheim gestorben. Hart arbeitende Männer und Frauen, sie wurden als Heldinnen der Pandemie begeistert beklatscht und dann skrupellos ausgebeutet, im Supermarkt, im Krankenhaus, im Homeoffice, im eigenen Haushalt. Sehr viele Arbeitnehmer haben ihren Arbeitsplatz verloren. 

 

Die Aberkennung existenzieller menschlicher Bedürfnisse wurde in Solidarität umbenannt.

 

Der Verrat an der eigenen Bevölkerung 

Alle Erwachsenen, die Omas und Opas, berufstätige Männer und Frauen, die Familien, schwangere Frauen, junge Mütter mit Babies, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen, Kindergartenkinder und alle Schulkinder, auch die studierenden Youngsters, sie alle müssen tapfer und ohne Wehleidigkeit gegen ein übermächtiges Virus kämpfen. Und ja, alle müssen derweil halt auf ein gesundes psycho-soziales Leben in Sicherheit, Freiheit und Unbeschwertheit verzichten, auch die Mütter mit den Babies und die Kindergartenkinder und alle Schulkinder. Alle müssen Opfer bringen und an einem Strang ziehen. Weil der Feind, das Virus nämlich, ist immer noch nicht besiegt. Der Feind kann nur mit ganz bestimmten Maßnahmen, mit speziellen medizin-technischen Kunstgriffen bekämpft werden, sagt die Regierung, sagt die Wissenschaft. Dazu gehören die Absonderung, der Strang, große Mengen an Desinfektionsmitteln, Lockdowns, Gesichtsmasken, der PCR-Test und eine vermeintlich brillante mRNA-Strategie. 

 

Das Versagen von Politik und Wissenschaft

Die Politik lässt ungeniert ihre Masken fallen, jetzt, da das Corona-Jahr 2021 zu Ende geht. Sie agiert deutlich kaltschnäuziger. Mit ihrem Angstnarrativ spaltet sie die eigene Bevölkerung. Gespielt wird das uralte Stück "Teile und herrsche!" In den Hauptrollen sehen wir die „guten Geimpften“ und die „bösen Ungeimpften“. Bundeskanzler und Gesundheitsminister (!) drohen der eigenen Bevölkerung mit einer Zwangsimpfung und betreiben eine offene Hetzjagd auf die Ungeimpften, machen sie zu Sündenböcken der Pandemie. Dabei bedient sich die Politik einer Wissenschaft, die ganz in der Tradition der abstrakten Naturwissenschaft steht, einem Materialismus, der seine Ursprünge im 17 Jhdt. hat. Diese Wissenschaft begreift ihren Gegenstand, die Welt, als bloßes Außen. Der Mensch wird von ihr zum geistlosen Körper degradiert, zum Objekt, das keine Psyche hat. Objekte sind praktisch. Sie funktionieren einfach, denn sie verfügen nicht über jene ganz besondere Eigenschaft, die uns als Menschen auszeichnet: Empathiefähigkeit. Wenn man Empathie in Zwang und Gehorsam umwandelt, zerstört dies den Menschen, er wird zum Objekt, jeden Tag ein kleines Stückchen mehr. Er verliert den Kontakt zu sich selbst. Damit steigert sich seine Angst vor dem größten Tabuthema, dem eigenen Tod, ins Monströse. Jede übersteigerte Angst, die nicht gemildert, die nicht reguliert werden kann, demütigt den Menschen, sie macht ihn zum hasserfüllten Untertanen seiner Angst und zum gläubigen Anhänger jener wissenschaftlichen und politischen Experten, von denen er glaubt, sie wären seine Retter. Diese Angst macht dumm und böse. 

 

Man muss es laut und deutlich aussprechen: Die Politik hat versagt. Aber auch diese Art von Wissenschaft hat versagt, weil sie das Wesentliche in uns Menschen ignoriert. Das Subjekthafte. Naturwissenschaftler und Ärzte, die einem abstrakten Wissenschaftsverständnis folgen, negieren das lebendige Leben, den lebendigen menschlichen Organismus, die gesunde Einheit von Körper und Psyche. Das Urmenschliche. 

 

Wir leben falsch

Als Gesellschaft führen wir einen aberwitzigen Krieg gegen ein Virus. Und wir leben falsch, wir leben gegen uns selbst, wir ignorieren unsere tiefsten Bedürfnisse. Dabei wäre es einfach. Wir brauchen keine gen-technische Lösung, wir brauchen eine menschliche. Eine, die unsere körperlichen, psychischen und sozialen Bedürfnisse berücksichtigt. Man kann auch Liebe dazu sagen.